Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Die neuste Ausgabe der Kulturzeitschrift «Davoser Revue» widmet sich der Tierwelt von Davos. Thematisiert werden ein früher Versuch einer Steinbock-Wiederansiedlung, die ersten naturwissenschaftlichen Forschungen sowie verschiedene Tierarten.

Um 1650 wird der Steinbock in Graubünden ausgerottet, um 1880 kehrt der «König der Alpen» zumindest in die Landschaft Davos zurück. Die ersten Auftritte des Bündner Wappentiers fallen jedoch eher rüpelhaft als majestätisch aus: Zwei Böcke attackieren auf dem Strelapass und im nahen Schanfigg wiederholt Wanderer.

Wildnis im Wandel

Auch wenn dieser frühe Versuch einer Steinbock-Wiederansiedlung letztlich scheitert, so markiert er doch einen fundamentalen Wandel im Umgang mit der Wildnis und der Natur. Wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhundert mühsam Kulturflächen aus der Wildnis herausgelöst und bewirtschaftet, so entsteht im späten 19. Jahrhundert eine Art Gegenbewegung: Jetzt werden innerhalb der Kulturlandschaft Asyle für die Wildnis geschaffen, in denen menschliche Eingriffe, insbesondere durch die Jagd, stark beschränkt werden. Aus dieser Bewegung entsteht in Graubünden auch der Schweizer Nationalpark, der erste seiner Art in den Alpen und in ganz Mitteleuropa.

Die «Davoser Revue» spürt in ihrer neusten Ausgabe diesem Wandel nach – und zeigt auf, dass die um 1880 bei Davos ausgesiedelten Steinböcke Mischlinge aus Steinwild und Hausziegen waren, die aus Italien über Bern nach Graubünden gelangten. Zugleich zeigt die «Davoser Revue» auf, welche Tierarten um 1883 überhaupt in Davos heimisch waren. Dabei fällt auf: Fast zeitgleich mit dem Versuch der Steinbock-Wiederansiedlung wurde der Bär ausgerottet. Hirsche weilten zudem nur «auf Besuch» von Österreich aus in der Landschaft Davos.

Von Fischottern, Hunden und Kohlmeisen

Zeitgleich erstellte ein gewisser Th. Pestalozzi ein erstes naturwissenschaftliches Inventar der Davoser Tierwelt. Dieser Forscher versetzte sich aber auch direkt in die Lage eines Schneehasen, der von Füchsen gejagt wird und allerhand andere Gefahren zu bestehen hatte. Zudem begegnete der Hase auf dem Strelapass einem Fischotter, der vom Davoser Landwasser zum Schanfigger Talfluss, der Plessur, übersiedeln wollte. Die Arbeit von Pestalozzi weist somit nicht nur wissenschaftliche, sondern auch literarische und anekdotische Züge auf.

Weiter zeigt die «Davoser Revue» auf, wie Kohlmeisen nach Davos gelangten und welche Hunde im frühen 20. Jahrhundert von einem Musikdirektor gezüchtet wurden. Den Bogen zur Gegenwart spannt ein Beitrag, in dem es um Lamas geht, die seit einigen Jahren in Davos gehalten werden.