Einwandern

Von Walsern über Wissenschaftler und Schriftsteller bis zu jugendlichen Flüchtlingen: Die Kulturzeitschrift «Davoser Revue» widmet ihre neuste Ausgabe dem Thema «Einwandern».

Vor mehr als sieben Jahrhunderten wanderten Bauern aus dem Wallis über die Berge, um in der Landschaft Davos die Wälder zu roden und sesshaft zu werden. Wie diese Einwanderung vonstatten ging, und wen die Walser Kolonisten unterwegs sowie in ihrer neuen Heimat alles antrafen, das zeichnet die «Davoser Revue» in ihrer jüngsten Ausgabe nach.

Aufgezeigt wird in der Kulturzeitschrift auch, wie die Welt im späten 19. Jahrhundert inmitten der Alpen bereits ein kaleidoskopartiges Abbild fand: Russen, Deutsche, Belgier und Briten lebten damals, zur Zeit des Kolonialismus und Imperialismus, vorwiegend in eigenen Kolonien in Davos zusammen: Die Höhenluft sollte die Heilung von der weit verbreiteten Tuberkulose ermöglichen. Das angebliche Heilklima von Davos wurde auch bald schon von Forschern wie dem deutschen Einwanderer und Physiologen Adolf Loewy untersucht. Die Tätigkeiten solcher Forscher bildeten letztlich die Grundsteine für die heutigen, in Davos ansässigen Forschungsinstitute.

Flüchtlinge, Pioniere, Unternehmer

Auch manche Kurgäste blieben um 1900 nicht nur bis zur Heilung in Davos, sondern ein Leben lang. Der englische Schriftsteller John Addington Symonds etwa widmete sich in Davos über Jahre hinweg dem Studium der italienischen Renaissance, kam aber auch mit einheimischen Bauern in Kontakt und wurde zu einem Pionier des Schlittensports. Nicht in der Hoffnung auf Heilung, sondern wegen neuer Erwerbsaussichten kamen wiederum Menschen wie Adolfo Baratelli nach Davos. Um 1900 baute der italienische Einwanderer in kürzester Zeit ein Unternehmen mit mehr als 1300 Angestellten auf, das von Strassen über Einfamilienhäuser bis zu Sanatorien so gut wie alles baute – und zwar noch ohne Lastwagen oder Betonmischer.

Von den grossen historischen Einwanderungsschüben über einzelne Biografien spannt die «Davoser Revue» so den Bogen bis zu heutigen Flüchtlingen, die etwa im Transitzentrum Laret leben – und dank privater Initiative auch mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Das Thema «Einwandern» hat auch direkt mit der «Davoser Revue» zu tun: Gegründet wurde die Kulturzeitschrift 1925 von Jules Ferdmann, einem russischen Flüchtling. Seither erforscht und reflektiert die «Davoser Revue» die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Davos und entwickelt über spezifische Fragestellungen neue Sichtweisen auf die Kultur im Spannungsfeld von Ortsverbundenheit und Weltoffenheit. Seit Herbst 2014 erscheint die «Davoser Revue» als hochwertiges Themenheft. Die nächste, im Sommer erscheinende Ausgabe widmet sich dem Davoser Seitental Sertig.

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